"Wenn Rüstungskontrolle fehlschlägt ...."

Non-Proliferation und Counter-Proliferation als Herausforderungen amerikanischer Sicherheitspolitik

Die fortgesetzten Debatten um irakische und nordkoreanische Programme zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen und Trägersystemen, aber auch die Frage, ob sich nicht ebenso terroristische Gruppen Massenvernichtungswaffen bedienen könnten, verdeutlichen die Brisanz, die nach dem Ende des rüstungskontrollpolitisch disziplinierenden Ost-West-Konfliktes bezüglich der Proliferationsproblematik entstanden ist.

In diesem Seminar werden sich die Studierenden eingehend mit den unterschiedlichen Formen von Massenvernichtungswaffen und den bisher von den Vereinigten Staaten präferierten Methoden befassen, deren Verbreitung über Rüstungskontrollregime nach Möglichkeit zu unterbinden; vor allem aber sollen die unterschiedlichen in den Vereinigten Staaten — seitens der Regierung als auch verschiedener Interessengruppen — diskutierten Konzepte behandelt werden, mit denen man auch in Zukunft einer Verbreitung und Anwendung von Massenvernichtungswaffen — counter-proliferation und preemption — entgegentreten bzw. die Auswirkungen eines Angriffs — Zivilschutz/"homeland security" — so gering wie möglich halten will.

Das Ziel des Seminars ist es, die Grundlage für eine kritische Bewertung der von der derzeitigen US-Regierung vorgeschlagenen Non- bzw. Counterproliferationspolitik sowie möglicher Alternativkurse zu schaffen.

Voraussetzung für die Teilnahme an dem Seminar ist eine Anmeldung am Ende des Wintersemesters 2002/03, damit die Studierenden die Möglichkeit besitzen, sich im Laufe der vorlesungsfreien Zeit vor dem Sommersemester 2003 mit den notwendigen Grundlagen vertraut zu machen, die im Bereich der Sicherheits-, vor allem der Non-Proliferationspolitik in den Vereinigten Staaten bestehen.

Die dazu unabdingbare Kenntnis der innen- und außenpolitischen Gegebenheiten kann beispielsweise durch Rourke et al. (Rourke, John T., Ralph G. Carter, Mark A. Boyer. Making American Foreign Policy. Zweite Auflage. Madison u. a.: Brown&Benchmark, 1996) oder Rosati (Rosati, Jerel A. The Politics of United States Foreign Policy. Zweite Auflage. Fort Worth u. a.: Harcourt Brace College Publishers, 1999) erworben werden; historische Zusammenhänge liefert u. a. Hacke (Hacke, Christian. Zur Weltmacht verdammt: Die amerikanische Außenpolitik von J. F. Kennedy bis G. W. Bush. München: Propyläen, 2001). Material zu den klassischen Rüstungskontrollregimen findet sich u. a. auf einer Seite der Federation of American Scientists unter http://www.fas.org/nuke/control/index.html.

Das Seminar wird als mehrtägiges Blockseminar stattfinden, um möglichst geschlossene Themenblöcke behandeln zu können. Die Schwerpunkte der jeweiligen Sitzungen werden während des Einführungstreffens am 29.1.2003 um 14:00 in Raum 317 erläutert; in dieser Sitzung werden auch die genauen Teilnahmebedingungen besprochen und weiterführende Literaturempfehlungen gegeben.

Die Sitzungstermine sind am
31.5. und 1.6. sowie am
14.6. und 15.6.2003 (die genauen Orte werden bekanntgegeben).

Für das Seminar unter http://de.groups.yahoo.com/group/ussicherheitspolitik/ eine Newsgroup mit der Email-Adresse ussicherheitspolitik@yahoogroups.de eingerichtet.

Teilnahmevoraussetzung ist neben regelmäßiger Teilnahme das Bestehen eines Eingangstests (multiple choice) zur US-Außenpolitik (Entscheidungsapparat, Geschichte der US-Außenpolitik nach 1945) sowie zu den Papieren der Kommilitoninnen und Kommilitonen. Voraussetzungen für den Scheinerwerb: sind die Übernahme eines Referates mit der Erstellung eines 15- bis 20-seitigen Papiers zu der zu behandelnden Problematik, das eine Woche vor der ersten Sitzung eingereicht werden soll, sowie eine Hausarbeit, die auf diesem Papier basieren sollte.

Seminarthemen:

I. Bestandsaufnahme (Herstellung, Verbreitung und Anwendung von ABC- sowie radiologischen Waffen und Trägersystemen weltweit, inklusive "ABC-Waffen und Terrorismus");
Referenten: Elvira Groll (Terrorismus), Benjamin Gaul (radiologische Waffen), Justin Just (C-Waffen).

II. Regimetheorie und Rüstungskontrolle

    a. Regimetheorie, "klassische" Rüstungskontrolle (prä-1990; ABM, NPT, BWC, CWC) und neue Rüstungskontrolle (post-1990, kooperative Maßnahmen, CTR u. a.);
    Referent: Arnd Plagge.
    b. Herausforderungen von Kontrollregimen (Inspektion, Verifikation, Probleme von Dual-use, Deklaration u. a.);
    Referent: Fabian Rühle.

III. Counterproliferation

    a. aktive Counterproliferation
    1. Sanktionen (Counterproliferation oder Strafsanktionen, Zerstörung von technischer Infrastruktur, "smart sanctions" u. a.), Containment, Preemption und Prävention;
    Referenten: Felix Mihram, Jan Philipp Roos.
    2. Abschreckung (Missile Defense [mit den unterschiedlichen Problemen, die sich aus den verschiedenen Technologien - boost-phase, midcourse und terminal sowie Laser - ergeben], Deterrence by denial;
    Referenten: Patty Corniciuc, Arnd Plagge.
    3. Die Positionen im eigenen Land (Kongress, Friedensbewegung, Kirchen, anderen gesellschaftliche Gruppen, rüstungsindustrielle Situation);
    Referentinnen: Ingrid Ross, Ilona Laschuetza.

    b. passive Counterproliferation (Homeland Security);
    Referentin: Eliza Losinsky.

IV. Einzelfälle

    a. Libyen,
    Referent: Justin Just.
    b. Korea 1993-heute,
    Referent: Martin Schröder.
    c. Irak 1979-1991 und 1991-heute,
    Referentin: Agnes Bodens.
    d. künftige Fälle (Iran?, Syrien?, Pakistan?),
    Referentin: N.N.
    e. MVW und die traditionellen Großmächte (Russland, China);
    Referentin: Lena Koch.

Kontakt/Email

Stephan Böckenförde, Januar 2003